Hayko Bagdat- Salyangoz
haykobagdat

SA 24. November 2018, 20 Uhr
Hayko Bagdat- Salyangoz

Der türkisch-armenische Journalist Hayko Bağdat führt uns in seiner One-Man-Show „Salyangoz“ (Schnecke) durch sein Le- ben und Erleben als Angehöriger der christlichen Minderheit in Istanbul. Mal lustig, mal tragisch gewährt er uns einen Einblick in seine oft sehr skurrilen Alltagsumstände. Zurzeit lebt Bağdat in Deutschland und arbeitet für die türkischen Exil-Medien.
Die Aufführung ist in türkischer Sprache
Gazeteci Hayko Bağdat “Salyangoz” adlı gösterisinde Müslü- man mahallesinde salyangoz satmayı değil, salyangozun ta kendisi olmayı tarif ediyor. Türkiye’de Ermeni olmayı, Rum olmayı otobiyografisinin süzgecinden geçirip anlatan Bağdat, seyircilerini çocukluk yıllarına, ada maceralarına götürüyor, sahnede gençliğinden, evliliğinden, kendi tabiriyle “gollik halleri”nden sayfalar açıyor. “Karmakarışık kimliklerimize baktığımız- da ayrımcılığa uğradığımız trajik bir hayatımız var. Ancak trajik olduğu kadar trajikomik hikayeler de başımızdan geçiyor” diyen Bağdat, “tek kişilik bişe” ile, herkesin kendinden bir parça bulacağı, bazen keyifli, bazen de hüzünlü, dolu dolu iki saatlik bir performans sunuyor.
Eintritt: Vorverkauf: 18/15 Euro; Abendkasse: 20/17 Euro
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WER IST HAYKO BAGDAT ?
Er ist eines der vier Kinder einer griechischen Mutter und eines armenischen Vaters. Nach Beendigung seines Militärdienstes in einer gefährlichen Region der Türkei übernahm er die väterliche Druckerei in Istanbul.
Seine erste Kolumne wurde in der Istanbuler armenischen Zeitung Marmara veröffentlicht. Der Text war in Versform gehalten und erzählte vom Tod des griechischen Lebensmittelhändlers Hristos. Da er jedoch anschließend erfuhr, dass der Krämer gar nicht tot gewesen war, sondern gerade im Griechischen Balıklı Krankenhaus behandelt wurde, enttäuschte ihn dieser erste Versuch als Schriftsteller einigermaßen.
Nach seiner Heirat fing Bağdat an, die erste armenische Radiosendung auf Radyo Yaşam (Radio Leben) zu gestalten. Sein wirklicher Eintritt in den Journalismus erfolgte jedoch nach der Ermordung des armenischen Journalisten Hrant Dink. Bağdat ist einer der Gründer der zivilgesellschaftlichen Initiative Hrants FreundInnen.
In den Social Media bekam er dank seines charakteristischen Stils innerhalb kürzester Zeit mehr als eine Million Follower und wurde zu einem beliebten Gast in Fernsehsendungen. Im später von der türkischen Regierung eingestellten IMC TV gestaltete und moderierte er die Sendungen „Azı Karar Çoğu Zarar (Weniger ist mehr)“ und „Bağdat Cafe“. Seine Kolumne in der Tageszeitung Taraf (Seite) nannte er „Gomalak“. Für Bugün TV gestaltete er die Sendung „Özgür İfade (Meinungsfreiheit)“, für das Internetportal Diken, für die Zeitschriften Kafa und Ot schrieb er Beiträge und Kolumnen. In diesem Zeitraum erschienen von ihm drei Bücher. Das große Publikumsinteresse für sein Debütbuch Salyangoz (Die Schnecke) setzte sich beim zweiten Buch Gollik fort. Sein bisher letztes Buch Kurtuluş Çok Bozuldu (Der Stadtteil Kurtuluş ist sehr heruntergekommen) wurde als bemerkenswerte humoristische Literatur von Kritik und Publikum sehr beachtet. Die drei Bücher wurden gesammelt unter dem Titel Haykoloji (Haykologie) wiederverlegt.
Der Weg, den Hayko Bağdat nach der Ermordung Hrant Dinks betrat, um zur Aufklärung der nebulösen Hintergründe dieses Mordes beizutragen, und den er als Wortspender auf der Seite der Entrechteten und Benachteiligten in den populärsten Medien weiter beschritt – dieser Weg machte ihn einerseits zu einem prominenten Namen, andererseits aber zu einer Zielperson, die „bald wegzuräumen“ sei. Nach dem ersten Anschlagsversuch auf ihn begann für Bağdat in seinem Land ein Leben unter Personenschutz.
In dieser Zeit brachte er das Wort auf die Bühne: diesmal nicht als Journalist, sondern als Geschichtenerzähler. Als Quelle diente ihm dabei sein aus überzeugenden Erzählungen zusammengesetztes erstes Buch Salyangoz (Die Schnecke). Obwohl kein ausgebildeter Schauspieler, trug Bağdat diese Geschichten auf der Bühne so vor, als würde er sie beim gemütlichen Abendessen seinen FreundInnen erzählen, und darin lag wohl der große Publikumserfolg dieser Bühnenperformance.
Die Reise, die Salyangoz auf einer der renommiertesten Bühnen der Türkei, BKM, antrat, führte durch die kurdischen Städte. In „sensiblen Regionen“ trat Bağdat furchtlos auf. Während der Blockade des Stadtteils Sur durch die türkische Regierung gab er hintereinander zwei Aufführungen in der Stadt Diyarbakır und spendete den Erlös jenen Familien, die während der Sur-Blockade zu Schaden gekommen waren. Sein Stück stieß nicht nur in den kurdischen Städten Siirt, Batman, Bitlis und Van, sondern auch in der Westtürkei, in Städten wie Çanakkale, Seferihisar oder Izmir auf außerordentlich positive Publikumsresonanz. Nach Ankara und Eskişehir trat Bağdat in London auf und sah, er würde in seinem eigenen Land nicht mehr auf die Bühne gehen, an keiner TV-Sendung teilnehmen und für keine Zeitung mehr schreiben dürfen. Hinzu kamen die immer häufigeren und ernstzunehmenden Drohungen, die er bekam. Hayko Bağdat ließ sich mit seiner Familie in Berlin nieder.
Er lebt seit nun länger als einem Jahr in Berlin und hat in dieser Zeit u. a. in Wien, London, Montreal, Toronto, Essen, Innsbruck, Köln und in der Schweiz sein Stück Salyangoz aufgeführt. In Berlin spielte er im Maxim Gorki Theater und bot bei seinem zweiten Berlin-Auftritt eine „Weltpremiere“ der traurigen Art: Auf Betreiben der Polizei trat er in einer Schutzweste auf. Ebenfalls in Schutzweste gekleidet spielte er in Köln und zuletzt in Amsterdam.
Hayko Bağdat trat im Europäischen Parlament und im Deutschen Bundestag sowie auf großen Demonstrationen und Massenveranstaltungen als Redner auf, er hielt auch zahlreiche Vorträge. Dabei erzählte und erzählt er nicht nur vom Genozid an ArmenierInnen. Immer wenn es auf der Welt ein Leid gibt, versucht er, es sich „zu eigen“ zu machen. KurdInnen, AlevitInnen, Transgender-Personen, MigrantInnen, aber auch Frauen, die für ihr Recht kämpfen, ein Kopftuch tragen zu dürfen – all diese fanden und finden, sobald sie als Benachteiligte und als Geschädigte sichtbar wurden, Hayko Bağdat auf ihrer Seite wieder. Mit dieser Solidarität hat er die Sympathie einer großen Masse auf seiner Seite – auch wenn manche dieser Menschen eine andere Weltansicht vertreten als er.
In seinem Einsatz für die Wahrheit hat sich Hayko Bağdat zwei Ziele gesetzt: Ohne versteckte Absichten und ohne Huldigung für jemanden den Benachteiligten beizustehen und jede Tätigkeit – für die Zeitung schreiben, im Radio und im Fernsehen Sendungen gestalten, fürs Internet Kolumnen und für Zeitschriften Artikel verfassen, auf der Bühne mit dem Publikum kommunizieren – mit voller Aufrichtigkeit zu erfüllen.
In dem einen Jahr, das er in Berlin verbrachte, hat er neben seinen Salyangoz (Die Schnecke)-Aufführungen an zahlreichen Veranstaltungen als Redner und Diskutant teilgenommen, für das Internet-Fernsehen Özgürüz (Wir sind frei) mehrere Sendungen produziert, sein Programm „Bağdat Cafe“ während des deutschen Wahlkampfes auf Deutsche Welle Türkçe fortgesetzt.
Derzeit ist er mit den Vorbereitungen für ein neues Buch beschäftigt, das von seinem bislang ziemlich schwierig verlaufenden Europa-Abenteuer Zeugnis ablegen soll.
Hayko Bağdat, der in der Türkei unlängst zur Fahndung ausgeschrieben wurde, führt seinen sozialistischen Weg für die Demokratisierung seines Landes und gegen den weltweit immer stärker werdenden Faschismus und Rassismus fort.
Er ist verheiratet und ist Vater von zwei Kindern.