Türkenschlacht oder Wie der Coffee nach Europa kam
28.5.2022

SA 28. Mai 2022, 20 Uhr
Türkenschlacht
oder
Wie der Coffee nach Europa kam

#musikderwelten #fokustürkei
PROGRAMM
Andreas Anton Schmelzer Türkenschlacht bei Wien 1683
Johann Joseph Fux Turcaria
Heinrich Ignaz Franz Biber Battalia à 10
Wolfgang Amadeus Mozart Konzert für Violine und Orchester A-Dur KV 219 („Türkisches Konzert“)
Wolfgang Amadeus Mozart Adagio und Fuge c-Moll KV 546
LES ESSENCES
Önder Baloglu Violine und Leitung
Eintritt 20,00 € / 10,00 €

Als am 12. September 1683 die osmanische Armee des Großwesirs Kara Mustafa Pascha von einem internationalen Truppenverband unter der Führung des polnischen Königs Johann III. Sobieski zum Rückzug gezwungen wurde, konnte die zweite Belagerung Wiens durch die Türken erfolgreich abgewehrt werden. Waren die Türken über mehrere Jahrhunderte hinweg zu einer Bedrohung der österreichischen Metropole geworden, so faszinierte dabei die Kultur des osmanischen Reiches. Bei einer allmählichen Wandlung des Orientbildes wurde schließlich sogar eine Versöhnung von Abendland und Morgenland angestrebt, denn spätestens seit der Aufklärung wurden Themenkreise wie Toleranz, Großmut und Völkerverständigung behandelt. Nicht nur erreichte der „Türkentrank“ Europa, denn auch die Janitscharenmusik als Militärmusik der Osmanen mit dem großzügigen Einsatz von Schlaginstrumenten und auch der Verwendung von hohen Blasinstrumenten wurde vielfach imitiert.

Die Sonate „Die Türkenschlacht bei Wien 1683“ von Andreas Anton Schmelzer stellt über weite Strecken eine Bearbeitung der zehnten „Rosenkranzsonate“ von Heinrich Ignaz Franz Biber dar, wobei der ursprüngliche Kreuzigungsgedanke in einen neuen Zusammenhang gestellt wird. Ein besonders eindrucksvolles tönendes Schlachtengemälde des 17. Jahrhunderts ist die „Battalia“ von Heinrich Ignaz Franz Biber, wobei an einer Stelle unter den gleichzeitig erklingenden Liedern auch ein türkisches Stück identifiziert werden konnte. Der zeitliche Abstand zur Schlacht von 1683 ist gering bei der „Turcaria“ des Komponisten und Musiktheoretikers Johann Joseph Fux, größer jedoch bei Wolfgang Amadeus Mozart, der im dritten Satz des fünften Violinkonzerts den Menuett-Hauptteil mit einem „alla turca“-Abschnitt abwechseln lässt.

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LES ESSENCES ist ein internationales Kammerorchester, das sich aus Mitgliedern hochkarätiger Kammermusikensembles und aus hervorragenden Musikern der umliegenden Orchesterlandschaft NRW entwickelt hat. LES ESSENCES hat sich als Ziel gesetzt, mit einer kritischen und mutigen Herangehensweise an die traditionsbewusste Aufführungspraxis aller Epochen anzuknüpfen. Ein Prinzip, das es vereint, ist die respektvoll texttreue und informierte Spielweise. Unter der künstlerisch-musikalischen Leitung des deutsch-türkischen Geigers Önder Baloglu erweitert das Spielen ohne Dirigenten die Kommunikation untereinander, und dadurch überträgt LES ESSENCES die kammermusikalische Interaktion in größere Besetzungen. LES ESSENCES scheut sich nicht davor, den umgekehrten Weg zu gehen, wenn die Symphonik in Kammermusik umformatiert werden soll. Das Repertoire des Ensembles umfasst die Barockmusik bis hin zu Auftragskompositionen zeitgenössischer Komponisten.

Das Kernquartett Quart.essence kann seit 2009 auf zahlreiche Konzertveranstaltungen zurückblicken. Durch Konzerte mit diversen Gästen erweiterte sich das Quartett allmählich, und dank des zunehmenden Erfolgs vertiefte sich der Wunsch „das große Ganze“ anzustreben.

Seine Liebe zur Kammermusik und die Profession als Konzertmeister verbindet Önder Baloglu als musikalischer Leiter eines Ensembles oder Orchesters vom Pult aus. So tritt er nicht nur mit LES ESSENCES, sondern auch mit hochkarätigen Symphonie- und Kammerorchestern als musikalischer Leiter und Solist auf. Geboren in Adana, Türkei, führte ihn sein Studium nach Essen an die Folkwang Universität der Künste. Während seines Studiums wurde er Konzertmeister der Duisburger Philharmonikern.

Önder Baloglu lehrt an der Folkwang Universität der Künste Essen und am Königlichen Konservatorium Den Haag. Er konzertiert auf einer Violine von Raffaele & Antonio Gagliano aus Neapel von 1850, die von einer Gruppe von Musikliebhabern für ihn gestiftet wurde.