Über uns

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Das KATAKOMBEN-THEATER im Jahr 2012
Interkulturell, vielfältig, vielschichtig

Von Anfang an, seit seiner Gründung folgt unser Theater der Idee der Vielfalt und Interkulturalität. «Bühne frei! Von Jazz bis Kindertheater» lautete unser Motto über Jahre hinweg. Unser Publikum erfreute sich an sehr unterschiedlichen Veranstaltungen, und diese Freude ermutigte und ermunterte uns immer. Im Herbst 2010 fassten wir den Entschluss, einiges an der Arbeitsweise und am Programm, insbesondere aber am Profil des Katakomben-Theaters zu verändern. Die Erfahrung hatte gezeigt, dass es nicht reichte, ein vielfältiges und vielschichtiges Programm breit an Vielfalt für ein möglichst breites Publikum auf die Beine zu stellen. Man muss eben nicht nur Gutes tun, sondern auch dafür sorgen, dass darüber gesprochen wird. Und genau an diesem Punkt bestand und besteht unserer Meinung nach ein Defizit. Trotz eines gewissen Wohlwollens bei Presse, Öffentlichkeit und Stadtverwaltung, fühlen wir uns in unseren Absichten und Zielen nicht wirklich erkannt.

Das Katakomben-Theater im Girardet Haus, ehemals das Satiricon, ist nicht nur durch sein wunderbares Foyer, seine schöne Bühne räumlich eine Perle in Rüttenscheid, sondern auch durch die Philosophie und Programmgestaltung seines Leiters Kazım Çalışgan, der selbst diplomierter Sozialwissenschaftler und Kulturmanager und zugleich aktiver Musiker ist. Er kennt sich in der Musik-Szene der Region und darüber hinaus bestens aus, vernetzt selbst viele Musiker durch seine Aktivitäten, arbeitete in der Kulturverwaltung Bochums, beim Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe, sowie Migrationsarbeit und auch in der Zeche Carl Essen. Er ist neben seinen Konzerten auch ein gefragter Juror und Experte, wenn es um Weltmusik geht, ob beim Kultursekretariat NRW oder Landesmusikrat. Bei aller Bescheidenheit und Zurückhaltung, die Kazım Çalışgan eigen ist, macht es keinen Sinn, diese Dinge unerwähnt zu lassen, wenn Kulturbetrieb und Öffentlichkeit auf marktschreierisches Auftreten positiv reagieren und leise Qualitätsarbeit wenig würdigen.

Politik, Presse, Öffentlichkeit und Verwaltung fordern förmlich lautstarkes, ja, großkotziges Auftreten heraus, obwohl das unserer Arbeits- und Kulturauffassung nicht entspricht. «Tu wenig und rede viel darüber» ist nicht gerade Kazım Çalışgans Motto und auch nicht des Teams um ihn. Aber leider mussten wir deutlichere Zeichen setzen, was unsere Interkulturvorstellungen anbelangt und angesichts der oberflächlichen Arroganz, mit der andere Interkultur zu betreiben gedenken, indem sie sich zu Wohltätern von Migranten aufspielen.

Das Referat für Interkulturelle Arbeit, bei der Rot-Grünen-Regierung im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport untergebracht, setzt systematisch auf von Deutschen für Ausländer organisierte Kulturarbeit, anstatt die hier lebenden Menschen gleichwertig zu behandeln und sie nach ihren Knowhow im Kulturbetrieb zu beurteilen. Ob Schauspielhaus Bochum oder TUP in Essen – die klassischen Kulturbetriebe müssen sich alle die Frage gefallen lassen, wie demokratisch und offen sie tatsächlich handeln, wenn sie öffentliche Mittel aus den für Interkultur vorgesehenen Töpfen für sich abzwacken und damit angeblich ihre interkulturelle Öffnung betreiben, während Kulturarbeit, die von Migranten auf besondere Weise betrieben wird und eine Ästhetik der Offenheit präsentiert, ausblutet. Wenn es um “Kultur” bei Interkultur geht, wird der Bereich klassischen Kulturbetrieben zugespielt, und wenn es um “Inter” geht, können sich religiöse Vereinigungen wie Kirchen und Moscheevereine profilieren: sie inszenieren einen Dialog nach dem andern und formieren dabei ihre eigene Klientel immer auf ihrer Seite und überbrücken damit im Dialog Gräben, die sie erst selbst geschaufelt haben. Eine echte Interkultur aber, die ästhetische, sprachliche und formale Grenzen aufhebt, allen Menschen eine künstlerische Ausdrucksform jenseits ihrer Herkunft, Bildung und Sprache vermittelt, wird allein schon rein finanziell in die Ecke des Amateurhaften gedrängt.

Was tut die sogenannte “Zukunftsakademie” in Bochum, vom Land und von der Mercator-Stiftung gefördert und im Schauspielhaus Bochum angesiedelt, tatsächlich für die Zukunft der Migranten, wenn sie Interkulturgelder dem Budget entzieht? Schaut man sich die Konzepte an, soll es um zukünftige Stadtentwicklung gehen. Finanziert wird das aber nicht aus Töpfen des Wissenschaftsminsteriums oder der Staatssekretärin für Integration beim Minister für Arbeit, Integration und Soziales, auch nicht von der Stadtentwicklung; nein, finanziert wird das aus dem Bereich der interkulturellen Arbeit.

Dies taten- und sprachlos hinzunehmen kann bei aller Bescheidenheit unsere Sache nicht sein! Unter dem Deckmantel der Integration und Interkultur wird Diskriminierung betrieben, von “Partizipation” gesprochen, aber Ausschluss praktiziert.

Als Antwort darauf haben wir, ermutigt duch den Zuspruch, den wir bisher in erster Linie von unserem Publikum und Teilen der Stadtverwaltung und Politik erhalten haben, unsere Kulturakademie-Ruhr ins Leben gerufen. Hier wollen wir nicht nur kulturelle und kulturpolitische Diskriminierung thematisieren, hier wollen wir auch unsere bisherige Interkulturpraxis mit anderen Menschen teilen und weiterentwickeln.

Während die Weltmusik, zu der wir gerne eine Drehscheibe bilden, ihre Formen längst schon entwickelt hat und immer weiter entwickelt, stoßen nun auch andere Kunstformen dazu wie das postdramatische Theater, das sich besonders gut als interkulturelle Theaterform eignet und auch Hyperfiction, die Literatur nicht allein sprachbasiert versteht, sondern multimedial. All diese Dinge sind gemeinnützig und dienen der kulturellen Bildung und Integration von allen Menschen in die Gesellschaft, ganz gleich, woher sie kommen. Wichtig ist, dass sie nicht zu Wandalen, Randalierern und skrupellosen Schlägern werden, wichtig ist, dass sie nicht barbarisch alles hassen, was sie nicht kennen und was ihnen deswegen fremd ist. Kultur kultiviert eben nicht nur Migranten, sondern alle Menschen eines Gemeinwesens und verbreitet auch Lust und Lebensfreude, Spaß und Unterhaltung, was wir gemeinsam mit unserem Publikum sehr genießen.

Mit Erkan Oğur und Okay Temiz hatten wir in 2011 zwei wunderbare Weltklasse-Musiker zu Konzerten und Workshops in unserer KulturAkademie-Ruhr im Katakomben-Theater zu Besuch; in 2011 begannen wir mit unserem Konzept des postdramatischen Theaters als ein Modell für interkulturelles Theater und brachten die Inszenierung «Ein Koffer voll Welt» zur Aufführung, hatten zahlreiche Lesungen und Konzerte u.a. anlässlich der Tage geistlicher Musik in Paderborn mit unserer Sufi-Dance-and-Music-Gruppe «Nefes in Motion» in Paderborn. Wir waren in «Essen Original» zu sehen und zu hören u.a. mit «Transorient Orchestra» und brachten unser Jugendprojekt «Lebbare Träume» mit Film und Aufführung «Jung, schön und viel – dokumentarische Smalltalks mit Essener Jugendlichen» in Konzeption und Regie von Gökçe Oğultekin zu Ende.

Dies kann nur ein kurzer aber hoffentlich repräsentativer Ausschnitt unserer Arbeit in 2011 sein, die wir in diesem Jahr intensiv und mit zahlreichen neuen Ideen und Inhalten fortsetzen werden.

Wir haben in 2011 sehr viel Zuspruch, Ermutigung und Hilfe von unseren Freunden und unserem Publikum erhalten und hoffen, dass wir uns in 2012 gesund, munter und voller Tatkraft wiedersehen und weitermachen.

Indessen betreiben die klassischen Flakschiffe der Kultur Selektion und Ausgrenzung, können sich von einem auf ökonomische Stärke aufgebauten Bildungsideal vergangener Jahrhunderte nicht lösen, entfernen sich immer mehr durch Elitenkultur von ihrem eigenen aufklärerischen und demokratischen Anspruch. Die Theater gleichen öffentlich finanzierten Fürstenhöfen: Außen Brecht, innen schlecht! Damit repräsentieren sie bestens den vielbeschworenen demographischen Wandel in der Gesellschaft, in der die autochtonen Deutschen immer älter und immer weniger werden. Damit wachsen auch die Kalkablagerungen im Kulturbetrieb, der, wenn es so weiter geht, seine Aufgabe für eine offene und aufgeklärte Gesellschaft zu stehen und zu wirken, nicht mehr wahrnehmen kann.

Diese Dinge kritisch zu benennen, ist die eine Sache; wichtig ist aber diese durch eine andere Praxis zu konterkarrieren. Und genau darum haben wir uns in den vergangenen Jahren bemüht und werden in den kommenden Jahren unsere Anstrengungen fortführen. Es sind Anstrengungen, die sowohl uns als auch dem Publikum Freude und Spaß bereiten sollen. So freuen wir uns auf ein gemeinsames Jahr 2012 mit Ihnen.

Ihr Katakomben-Team

„Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit…
“
Kultur ohne Grenzen!

W
ir schärfen unser Profil und wetzen nicht das Messer, liebes Publikum!
Der Verteilungskampf in der freien Kulturszene wird in nächster Zeit bestimmt nicht abnehmen. Die Kassen sind leer, Fördermittel knapp. Der Essener Kulturdezernent Andreas Bomheuer, durchaus ein Freund der freien Kulturszene, hatte in der WAZ vom 11. August 2010 nichts Erheiterndes zu vermelden: „Es wird kein Zuckerschlecken“.
Fünf Kulturdezernenten im Revier haben sich zu einem Theaterpakt NRW zusammengeschlossen, um die Finanzierung der städtischen Theater- und Konzerthäuser zu retten.
Unser Theater hat auch einen Pakt geschlossen: mit IHNEN, LIEBES PUBLIKUM!Und das Ziel: Kultur ohne Grenzen – Musik, Theater, Tanz, Literatur für Sie und Ihre Kinder!
Fest in der Überzeugung, dass Qualität und Vielfalt letztendlich überzeugen und über finanzielle Engpässe siegen werden, laden wir Sie auch in der kommenden Spielzeit herzlich ins Katakomben-Theater im Girardet Haus ein.
Bestimmt werden sich noch andere unserem Pakt anschließen wollen – nicht zuletzt die Kulturverantwortlichen der Städte und des Landes.
So wünschen wir uns eine erfolgreiche neue Spielzeit und Ihnen viel Freude im Katakomben-Theater.
Ihr Katakomben-Team

weitere Literatur: www.kulturprogramm.de